Home, Sweet Home!

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Hallo zusammen,

seit dem 28.08. befinde ich mich wieder in Deutschland und gewöhne mich langsam an alles Vertraute. Ich möchte am liebsten mehrere Dinge auf einmal machen, alles hat mir so gefehlt, aber ich bin noch etwas verwirrt und muss mich erst einmal sortieren 🙂

Ich werd versuchen, weiterhin zu schreiben, um Erinnerungen zu teilen und auch im Nachhinein noch Informationen über die Schule geben zu können. Ich hoffe, Ihr bleibt dran und habt noch Lust, weiterhin von Yapentra zu hören.

Alles Liebe und viele Grüße,

Sophie

Erinnerungen

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Hallo ihr Lieben,

für meine Entsendungsorganisation, die mit der HBM zusammen arbeitet, das ELM (Evangelisch-lutherisches Missionswerk) wurde ich gebeten, ein Erlebnis aus meinem Jahr hier zu beschreiben und ich dachte, es interessiert euch vielleicht.

Hier ist es:

Bericht fürs Erinnerungsheft – Sophie

Ich habe meinen Freiwilligendienst an der Blindenschule Yapentra in der Nähe von Nordsumatra, Medan verbracht. Inzwischen habe ich mich sehr an das Leben hier gewöhnt und es fiel mir schwer, ein besonderes Ereignis aus meinem Gedächtnis zu kramen.

Worüber kann man berichten, wenn das ganze Leben ein Jahr lang so voll von neuen Eindrücken war? Im Englischunterricht habe ich mit dem Lehrer und ehemaligen Schüler, Arjuna Perangin-angin darüber gesprochen.

„Do you have an idea what you will write about?“, fragt er.

Obwohl ich mich seit mehr als neun Monaten auf Indonesisch unterhalten kann, spreche ich bis heute mit Pak Arjuna nur Englisch und bin immer wieder fasziniert davon, wie gut er es kann.

Fast jede Woche versuche ich, beim Englischunterricht mitzuhelfen und wir üben Dialoge mit den Kindern.

Ich bin mir noch nicht sicher, was ich schreiben will, aber ich überlege kurz und meine Gedanken schweifen ab. Gerade heute Morgen um 5 habe ich ihm wieder eine SMS geschrieben: Do you want to go running?

Normalerweise bin ich inzwischen zu kaputt, um ihm zu schreiben, doch manchmal tu ich es und wenn er antwortet, nehm ich meine Taschenlampe und laufe zu seinem Haus. Er wohnt mit seiner Frau und seiner kleinen Tochter Armel auf dem Gelände. Mit der Lampe und neben mir kann er ohne Probleme um das Gelände joggen, denn er hat noch ein Restsehvermögen und kann zum Beispiel Farben und Umrisse erkennen.

Wenn wir laufen reden wir über das Studieren, Feiertage, Technik, Politik und vieles mehr. Zum Teil sind seine Fragen so kompliziert, dass ich sie entweder nicht beantworten kann oder am nächsten Tag im Internet nachgucken muss.

Wenn wir die Kinder treffen, weil sie zum Essraum gehen, weiß ich, dass wir aufhören müssen und gehe schnell duschen, denn danach ist Morgenandacht und Frühstück.

Früher war ich öfters morgens laufen, doch das hat aufgehört, denn inzwischen mache ich oft nachmittags mit den Kindern Sport.

Und genau darüber könnte ich schreiben, denke ich und schlage es vor. Pak Arjuna klingt begeistert.

„Mach ein Foto, wenn du mit Heri laufen gehst und füg es in den Text ein“, sagt er. Ich bin dankbar für sein Interesse und fühle mich bestätigt, in der Annahme, dass dies wirklich ein Thema ist, über das man gut berichten kann.

Schon im November habe ich die jetzige Studentin Dean morgens mit zum Joggen genommen, da waren wir mit Pak Arjuna zu dritt. Sie ist komplett blind und seit sie in der Junior Highschool ist und ich habe mich darauf eingestellt langsamer zu laufen und bin unsicher. Was, wenn sie stolpert?

Sie kam auf mich zu und nahm meine Hand. Eine Sekunde später, wusste ich nicht mehr, wie mir geschah. Pak Arjuna und Dean lachen mich aus. Sie ist viel schneller als ich normalerweise laufe und zieht mich fast hinter sich her. Nach drei Runden (etwa 300 m) hat sie allerdings genug, doch nach ein paar Wochen hat sie sich schon auf fünf gesteigert.

Leider ist Ende November ein Unfall passiert, der dazu betrug, dass kein Schüler mehr morgens mit mir laufen wollte. Nur Pak Arjuna blieb motiviert, allerdings war Regenzeit und er hatte oft keine Lust, da das Gelände oft überschwemmt war. So kam es, dass ich erst im April wieder so richtig anfing, mit Dean laufen zu gehen, diesmal nachmittags.

Jede Woche ungefähr dreimal haben wir es geschafft und uns von anfangs sechs auf einen Rekord von zwanzig Runden (30 min) gesteigert. Nach jedem Laufen haben wir uns vor mein Haus gesetzt, Multivitamintabletten aus einem Paket von meiner Oma getrunken und uns unterhalten.

Einige Leute beobachteten uns ungläubig. Laufen bei der Hitze? „Wie viele Runden?“, fragt Frau Simorangkir manchmal, die mal Deutsch studiert hat und mich ein bisschen versteht, auch wenn sie sagt, dass Marcus deutlicher spricht. Ich antworte ihr stolz und übersetzte es für Dean.

Einmal war sie schon ganz schön aus der Puste, weil wir lange nicht laufen waren, da frage ich: „Gehts noch?“. Sie sagt nur: „Wir essen beide Reis, oder?“ Ich muss fast lächeln. So einen Vergleich kann man auch nur in Indonesien bringen. „Was du kannst, kann auch ich.“

Einige Wochen danach begleitete ich Dean bei ihren Abschlussprüfungen, durch die sie sich trotz Schwierigkeiten (Tippfehler in der Brailleversion aus Jakarta und Grafiken, mit denen sie nie gearbeitet hat usw.) an einer öffentlichen Schule als einzige Blinde in der Klasse durchkämpfte und inzwischen Sozialkunde an der Universität in Medan studiert.

Mit ihr habe ich Momente erlebt, die mich so tief beeindruckt haben, dass ich es irgendwie am ganzen Körper gespürt hab. Sie ist so mutig, so ehrgeizig und optimistisch, dass es mir manchmal wie in einer Geschichte vorkam, die man anderen erzählt, um sie zu motivieren.

„Dean ist weise“, sagt die Küchenfrau Ibu Eri, die schon seit über 20 Jahren an der Schule arbeitet und viele Schüler kennen gelernt hat und sie heranwachsen gesehen hat.

Als Dean zu beschäftigt war habe ich quasi durch Zufall von zwei weiteren Schülern gehört, die gerne Sport machen. Die meisten sind Laufen eher abgeneigt und viele Jungs spielen lieber Fußball (der Ball enthält Steine und macht damit Geräusche) oder machen Musik und die meisten Mädchen haben auch keine Lust auf Sport.

Aber Marialam und Heri erwiesen sich als Deans Nachfolger. Manchmal lief ich mit beiden an der Hand und dann haben sie angefangen sich zu ärgern und aus Spaß um mich herumzulangen, um dem jeweils anderen einen Klaps zu verpassen. Dabei manövrierte ich sie um parkende Wagen, andere Schüler und spielende Kinder auf dem Gelände. Das Chaos war manchmal unglaublich, aber lustig und man wächst ja bekanntlich mit seinen Aufgaben.

Oft erzählen wir uns Geschichten. In der Woche, bevor ich eine Freundin in Jakarta besucht habe, erzählte ich den beiden davon und einen Augenblick scherzten wir und träumten davon, eine Wohnung in Jakarta zu besitzen. Mit Swimmingpool auf dem Dach, sage ich. Und Klimaanlage, ruft Heri begeistert. Im 20. Stock. Werd erstmal reich als Ärztin in Deutschland, dann machen wir das, sagt Marialam. Alle grinsen. Schöner Gedanke.

Wenn Marialam krank war oder keine Lust hatte, bin ich mit Heri alleine gelaufen. Er ist nicht von Geburt an blind und es stört ihn, dass er auf einmal so eingeschränkt ist. Bis vor einem Jahr konnte er noch einiges erkennen, doch inzwischen sieht er gar nichts mehr, bis auf gröbste Umrisse und Farben. „Früher bin ich Motorroller gefahren, nur auf dem Hinterrad“, sagt er stolz. Ich muss schlucken. Er ist neulich sechzehn geworden.

Auf einmal lässt er meine Hand los und kontrolliert nur ab und zu, ob er noch neben mir läuft. Dann rennt er vor. Ich kommandiere „rechts“, „links“, „abbiegen“, komme kaum aus dem Staunen wieder heraus. Wir scherzen: „Ich bin die Fernbedienung.“

Am nächsten Tag kommt er und ruft mich. Wir fangen an, er rast los, viel zu schnell.

„Links, Heri!“, schreie ich, aber zu spät. Er fliegt kopfüber in die Regenrinne am Straßenrand. Mir wird heiß und kalt vor Schreck. Ob er bewusstlos wird? Er steht auf. Ich entschuldige mich tausendmal. „Macht nichts, ich wollte das“, sagt er grinsend. Ist sein Kopf aus Stein?

„Ich bin schon einmal vom Baum gefallen und auf einem Ast gelandet“, sagt er und ich zucke schon bei dem Gedanken zusammen. Wir laufen weiter, er fällt nochmal und dann machen wir Pause.

Abends klagt er dann doch ein bisschen über aufgeschlagene Knie, aber Marcus lobt ihn: „Du warst richtig mutig.“ Er tut so, als wäre es etwas ganz Normales, grinst aber stolz.

Ich habe ein schlechtes Gewissen und heute laufen wir wieder Hand in Hand. Aber er ist immernoch stolz, dass er es probiert hat und es war ich, die es nicht mehr wollte, weil es einfach zu gefährlich ist.

Heri ist Provinzsieger im Schwimmwettbewerb der Sonderschulen und gestern waren wir das dritte mal im Freibad. Ich schwimme vor ihm und rufe oder klatsche, damit er gerade schwimmt und der Sportlehrer zeigt im Technik und Startsprung.

Einmal hatte ich mich gerade fertig umgezogen, da ruft er „Guck mal, Miss!“ und springt mit einem Rückwärtssalto ins Becken, das ungefähr 1,25 Meter tief ist, taucht auf und grinst.

Ich würde gern ein Foto einfügen, doch dafür ist kein Platz mehr und meine Sportgeschichten sind längst nicht zuende, merke ich gerade, aber das soll es erst einmal gewesen sein.

Ist das eine besondere Erinnerung? Nein, es sind Tausende und ich werde sie nie vergessen, ebensowenig wie die Menschen, die damit in Verbindung stehen.

Merdeka! Freiheit! Indonesischer Nationalfeiertag 17.August

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Hallo ihr Lieben,

noch zehn Tage bin ich hier und habe das Glück, den Nationalfeiertag mitzuerleben.

Heute vor 68 Jahren hat Indonesien seine Unabhängigkeit erlangt.

Wir haben die ganze Woche über Wettbewerbe ausgefochten, z.B. Schach, Singen, Weitsprung, Kugelstoßen, Gedichte vortragen und Krabbenchips-Wettessen…

Solche Wettbewerbe sind Tradition zur Feier des 17. August.Heute bekommt jeder Gewinner einen Preis und jetzt muss ich auch schnell los, denn es ist Flaggenzeremonie, in schwarz-weiß.

Also, auf geht’s!

Wir sehen uns bald in Deutschland, ich denk an euch!

Sophie

Letzter Monat

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Hallo zusammen,

ich wollte mal kurz berichten, mit was ich den letzten (!) Monat hier so füllen werde.

Wir haben ein Projekt, um die Sieger des Sportwettbewerbs der Sonderschulen zu trainieren und gehen jetzt jede Woche mit drei Schülern ins Schwimmbad. Einer davon wird tatsächlich im Schwimmen antreten, einer im Weitsprung und eine im Kugelstoßen.

Ansonsten gehen wir oft laufen, ich arbeite in der Bibliothek (neues Schuljahr, neue Bücher, die gescannt und in Braille gedruckt werden müssen) und helfe im Englischunterricht und natürlich in der Küche  🙂

Um Idul Fitri (auch Bairam oder Zuckerfest in Deutschland) ist hier nochmal ein paar Tage frei und am 17.08. feiert ganz Indonesien seine Unabhängigkeit und es sollen viele Spiele stattfinden.

Ich hoffe, Euch geht es allen gut und grüße ganz lieb!

Sophie

 

Ende der Ferien

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Hallo ihr Lieben,

die Schulferien neigen sich dem Ende zu, mein dritter Rundbrief ist geschrieben, mein Geburtstag rückt näher und es bleiben noch etwas mehr als sechs Wochen in Indonesien.

Letzte Woche waren Marcus und ich mit drei Schülern von Yapentra ihre Eltern auf der Insel Nias besuchen.

Man kommt dorthin entweder mit einem Flugzeug oder, wenn man, so wie wir momentan, keinen Pass wegen Visaverlängerung oder wie die Kinder wenig Geld hat, mit dem Auto (zehn Std an die Westküste), danach 12 Stunden mit der Fähre und dann wieder drei Stunden mit dem Auto. Nach viel Übelkeit (nicht von mir!), einer vollgekotzten Hose, viel Schwitzen und im Dreck auf dem Fußboden einer Fähre schlafen, kamen wir an, im Desa Hilisebua, Landkreis Gidö. Die Leute auf Nias haben Umlaute, so wie wir. Lustig, oder?

Wir lernten viel über die Bräuche auf Nias und sogar ein bisschen der regionalen Sprache. Viele der älteren Leute sprechen sogar noch kein Indonesisch, nur Nias. Ya’ahowu, das ist der lokale Gruß. Ein Gruß und Segenswunsch zugleich, so wie Horas bei den Tobabatak und Mejuah-juah bei den Karobatak. Man sagt es am Ende von Gottesdiensten, zur Begrüßung, zum Abschied, beim Kennenlernen, etc.

Die Familie war sehr nett zu uns, aber etwas unsicher, denn sie kannten uns ja kaum und hatten noch nie Menschen aus Europa zu Besuch. Mehrere Leute dachten, Amerika sei das gleiche wie Deutschland oder ein Teil davon oder so…

Uns wurde viel über die Armut der Insel erzählt. 2005 gab es dort einen Tsunami und die Wirtschaft ist sehr schwach. Es gibt viele Kautschukbäume, die jedoch alt sind und daher kaum noch Ertrag haben. Auf Nias gibt es kaum andere Fabriken oder so etwas und viele wandern aufs Festland aus. Oft entschuldigten sich Leute, wenn es kein Fleisch zu essen gab oder so etwas, da sie wenig Geld haben und viele nicht einmal das Schulgeld ihrer Kinder bezahlen können.

Das tat mir wirklich Leid und wir haben immer gesagt, dass wir ihnen viel Erfolg und alles Gute wünschen und uns hoffentlich eines Tages wiedersehen und es ihnen besser geht.

Zwei Tage verbrachten wir im Süden der Insel, wo früher viele Touristen waren, weil es als Paradies für Surfer gilt. Der Ort Lagundri war relativ ausgestorben, aber wir haben ein paar nette Leute kennen gelernt und ich war sogar einmal surfen und konnte das erste Mal auf dem Brett stehen!

Ich habe viel auf Nias gelernt und wie immer das Gefühl „man muss doch helfen können“ und hoffe, dass es der Insel  irgendwann besser gehen wird. Die Reise war super spannend, abenteuerlich und faszinierend und gewissermaßen die Krönung meiner Ausflüge hier in Indonesien.

Zurück in Yapentra genießen wir den Rest der Ferien und waren mit den Kindern gestern schwimmen (es sind nur sehr wenige, die schon aus ihren Dörfern zurück sind, Sonntag werden es mehr). Mein Sonnenbrand sorgte für große Faszination. „Warum ist das so? Brauchst du Medizin?“ Nein, Mensch! Ich bin halt weiß! Haha.

Ich freue mich auf den Schulanfang und alles, was noch kommt.

Bis sehr bald!

Eure Sophie

 

Nach dem Endseminar

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Hallo ihr Lieben,

ich möchte heute berichten, was es in den letzten Wochen so Neues gab.

Also erstmal kamen Ende Mai die Eltern meines Kollegen. Wir waren alle zusammen am Tobasee und im Bergdorf Berastagi, das sehr kühl und bekannt für viele Früchte und Blumen ist.

Danach war ich zehn Tage hier alleine und habe die Kinder auf einem Wettbewerb begleitet, der jedes Jahr zwischen den Sonderschulen der Provinz Nordsumatra ausgetragen wird. Zwei Lehrer, drei Schüler und ich haben zwei Nächte in einer großen Internatsschule für Taubstumme und Autisten übernachtet, w0 verschiedenste Wettbewerbe stattfanden.

Es war sehr schön, auch andere Schüler kennen zu lernen und wir gingen mit zwei Gold- und einer Silbermedaille. Der Wettbewerb auf nationaler Ebene war vor zwei Wochen in Medan für die Siegerin im Solosingen (Siska) und Fredi fährt in ein paar Wochen zum Schachwettbewerb Nummer zwei nach Ostkalimantan. Spannend, oder?

Kalimantan ist sehr weit, eine andere Insel. Manche kennen sie auch unter dem Namen Borneo…

Danach war ich etwas krank und als meine Magenschmerzen wieder vorbei waren, ging es auch schon zu meiner Freundin nach Jakarta.

Staunend konnte ich ihr in ihre super moderne Uni folgen, die in Westjakarta liegt und habe in ihrem Wohnheim mitgewohnt, das aus genau einem Zimmer mit Bad besteht und winzig klein, aber gemütlich ist.

Am Sonntag vor meinem Seminar waren wir bei ihrer Cousine und ich hab mich sehr gefreut, mal wieder mitten in einer Familie zu sein. Sie waren wirklich lieb zu mir und haben mich am nächsten Morgen zum Flughafen gefahren.

Das Seminar in Semarang hat sehr viel Spaß gemacht. Wie immer waren wir erst in Ungaran, dem kleinen Dorf nahe bei Semarang und haben über unsere Probleme währrend des Jahres und die Rolle der dejavato Foundation diskutiert.

Das dauerte nur einen Tag und ich habe gemerkt, dass mein Projekt zwar sehr anstrengend sein kann, weil man theoretisch nie ohne Arbeit ist und 24 Stunden am Arbeitsplatz wohnt, dafür haben mein Kollege Marcus und ich super gut in die Kultur und die Gemeinschaft der Schule hineingefunden und sind insgesamt sehr zufrieden mit unserem Jahr.

In den nächsten zwei Tagen haben wir ein Altenheim neu gestrichen und zusammen gekocht und hatten einen freien Tag in Semarang, den ich nochmal zum Sightseeing in der Altstadt und auf dem Zentraljawa-Festival nutzen konnte.

Danach war ich nochmal zwei Tage mit Marcus in Jakarta. Dort haben wir auch noch viel von der Stadt gesehen, etwa die Istiqlal-Moschee, die größte Moschee in Südostasien.

Mit der Tochter des Schulmanagers haben wir uns auch getroffen, sie arbeitet in Jakarta und wir waren zusammen im Taman Mini, einem Park, der Indonesiens traditionelle Häuser und somit das gesamte Archipel in seiner kulturellen Vielfalt als Miniatur darstellt.

Zufällig war am 22.06. auch noch der 486. Geburtstag der Stadt Jakarta und wir konnten zur Feier unter dem Nationalmonument gehen. Am Tag davor wurden wir Zeugen eines Staatsevents, als der President von Timor-Leste zu Besuch kam.

Ich hab mich wahnsinnig erschrocken, als 17 Kanonenschüsse zur Ehre des Presidenten ertönten, weil ich zuerst an eine Bombe denken musste…:)

Soooo viel hab ich erlebt und könnte immer weiter erzählen.

Jetzt sind hier Ferien bis zum 15.07., meinem Geburtstag. Die Kinder sind größtenteils zu ihren Eltern gefahren und ich genieße die Zeit hier und werde vielleicht ab und zu etwas unternehmen und euch berichten.

Unsere Nachfolgerinnen stehen auch fest und ich werde ab dem 20.08.Gesellschaft von zwei neuen Freiwilligen haben, die uns hier ablösen werden…sozusagen.

Der Abreisetag rückt immer näher. Ich freu mich auf mein Zuhause, aber leicht wird es nicht werden, so viel weiß ich.

 

Ich denke an euch!

Eure Sophie

Neuigkeiten

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Hallo ihr Lieben,

nach langer Zeit möchte ich euch mal wieder von den vergangenen Wochen berichten.

Leider ist mein Laptop kaputt gegangen und ich benutze zur Zeit den meines Kollegen. Der Mai ist schnell vergangen. Morgen bleiben mir noch drei Monate hier. Drei lange Monate und drei kurze Monate. Drei lange, weil ich meine Familie und mein Zuhause langsam wirklich doll vermisse und sehr oft an sie denken muss. Drei kurze, weil mir die Schule, mein Leben und die Leute hier, vor allem die Kinder, sehr doll ans Herz gewachsen sind. So sehr, dass ich noch nicht daran denken möchte, wie es sein wird, Abschied nehmen zu müssen.

Gestern haben wir einen Lehrer und seine Frau besucht, die beide ehemalige Schüler von Yapentra sind und sich dort kennengelernt haben. Sie wohnen mit ihren zwei Kindern nahe bei der Schule, etwas abseits vom Highway, dicht an wunderschönen Reisfeldern.

Es war sehr nett, auch wenn sie uns etwas in der Nachbarschaft „herumgezeigt“ haben, was nach zwei Stunden dann doch anstrengend wurde. Die Leute sind unglaublich interessiert, aber sie fragen doch immer das Gleiche.

„Was machst du hier?“, „Wie lange bist du schon/ noch hier?“, „Wieso kannst du so gut Indonesisch?“, „Kann ich deine spitze Nase haben und deine weiße Haut?“, „Was isst man in Deutschland?“, „Wie ist die Bildung in Deutschland so?“, „Was denkst du über Indonesien?“, „Bist du Christ?“, usw.

Fragen, die manchmal schwer zu beantworten sind und uns doch so oft gestellt wurden, dass man schon in einen Singsang verfällt, wenn man antwortet.

Ich begreife nicht, warum wir etwas soooo Faszinierendes darstellen, wenn wir in Jeans und T-Shirt über die Straße laufen und uns zu Tode schwitzen, aber vielleicht würde ich genau so reagieren, wenn ich noch nie im Leben einen Ostasiaten gesehen hätte und solche Gestalten nur aus dem Fernsehen kennen würde.

Oh, wo ich gerade bei Fernsehen bin….am Freitag kam ein Gast mit Essen, der Schauspieler in Jakarta ist und wir haben vorm Essen für seine Karriere gebetet. Es ist schon witzig, was für Leute man kennen lernt. Ein Gast neulich war eine chinesischstämmige Frau, die in Medan geboren ist und seit den 80ern in Köln wohnt. Toll, oder?

Wir waren sehr überrascht, als sie mit uns Deutsch gesprochen hat.

Am 14.06. fliege ich vor dem Endseminar nach Jakarta und besuche meine Freundin Disa, die 2010/2011 in Deutschland einen Schüleraustausch gemacht hat. Ich freue mich sehr, dass ich doch noch die Hauptstadt sehen werde.

Ihr Lieben, ich verspreche, dass dieser Blog sich zu Hause noch mit Bildern füllen wird. Es ist ja schon lange eindeutig, dass ich nicht zu den fleißigsten Bloggern gehöre, aber immerhin bekommt ihr ab und zu etwas von mir zu lesen, nicht wahr? 🙂

Ich denk an euch!

Gruß in die Ferne,

Sophie

Fitness und Hundefleisch

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Hallo liebe Leser,

hier eine kleine Geschichte aus meinem Leben.

Heute Morgen bin ich nicht wie normalerweise am Freitag in den Englischunterricht gegangen, sondern habe eine Gruppe von Schülern mit meinem Kollegen und dem Sportlehrer zum Fitnessstudio begleitet. Einmal Training kostet 5000 Rupien, das sind weniger als 50 ct. Dementsprechend sieht es auch mit den Geräten aus, aber der Inhaber ist super nett und es macht echt Spaß, dort zu sein.

Ich finde es sehr schön zu sehen, wie sehr die Schüler es genießen, sich einmal richtig auszupowern und wir stehen gerne mit Rat und Tat zur Seite.

Nach ein paar Runden auf Ergometer, Stepper und so weiter ging es zu Fuß in ein kleines Batakrestaurant. Eine zwielichtige Bretterbude an der Straße, in der wir einkehrten, um typisch Batak „B1“ zu essen. Hundefleisch.

Dazu gibt es Reis und eine Brühe mit Darm oder sowas und ein paar Karotten. Natürlich essen wir mit der rechten Hand, die man vorher in einer Schüssel mit Wasser „reinigt“. Klingt vielleicht eklig, aber die Innereien weggelassen eine echt schmackhafte Sache. Es schmeckt nicht anders als anderes rotes Fleisch und die emotionale Seite ist bei mir irgendwie auch nicht so stark ausgeprägt, was ich nicht gedacht hätte. Hunde, die ich kenne, würde ich trotzdem nie essen!

Auf Batak heißt es „Jaggal Biang“. Keine Ahnung, ob das richtig geschrieben ist.

Verschwitzt und satt sind wir mit dem Minibus nach Hause gefahren.

Danach hab ich zwei Schülerinnen geholfen, für die Uni zu lernen, indem ich ihnen aus einem Buch mit Kompetenztests zur Studienvorbereitung Aufgaben diktiert und diese anschließend korrigiert habe.

Danach war ich geschafft.

Eben waren wir beim Schulmanager und seiner Fau zum Wassermeloneessen eingeladen.

Das war mein Tag bis heute.

 

Ich grüße Euch ganz herzlich!

 

Eure Sophie

Neuigkeiten

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Hallo meine lieben Leserinnen und Leser 🙂

 

ich wollte Euch einmal von meinen Erlebnissen in den letzten Wochen berichten.

Wir waren in den letzten Wochen zweimal am Tobasee, womit die Anzahl unserer Ausflüge dorthin sich verdoppelt hat. Das erste Mal fuhren wir mit den Schülern der Berufsschule, die eine Bekannte von uns auf dem Gelände unterrichtet, das zweite Mal mit Ketut, dem Leiter der Dejavato Foundation. Das ist die Organisation in Semarang, die uns hier in Indonesien betreut.

Beide Male hab ich das Schwimmen im See sehr genossen und ordentlich Farbe bekommen. Die Begegnung mit den Schülern der SMK war sehr interessant und da es ihre Abschlussfahrt war, fühlte ich mich sehr an meine Abizeit erinnert.

Mit Ketut war es ebenfalls sehr lustig. Vorher war er an der Schule und hat den Unterricht besucht sowie einen Vortrag über seine Organisation gehalten und mit uns über die verstrichene Zeit reflektiert. Es ist immer wieder toll, mit jemanden durch die Schule zu gehen, der sie nicht so gut kennt wie ich inzwischen. Man ist so stolz auf die Kinder, wenn sie etwas Kluges oder Schlagfertiges zu einem Fremden sagen und die eigene Sicht auf das Geschehen wird gewissermaßen aufgefrischt.

Außerdem wurde ich wieder einmal daran erinnert, wie vielfältig Indonesien doch ist. Ketut ist Zentraljavaner, die meisten Leute hier dagegen gehören zum Stamm der Batak, vorherrschend Toba-Batak.

Obwohl ich Ausländerin bin, bin ich in vielerlei Hinsicht vertrauter mit der Batakkultur als er. Andersherum war es ein richtiges Highlight, dass einige Leute hier ein bisschen Javanisch sprechen können und es stolz „vorführten“. Der Austausch kam also von allen Seiten, vollkommen unverkrampft und echt lustig.

Oft bemerkten die Kinder, dass er auch anders Indonesisch redet als wir. Das war ein bisschen peinlich, als meine Freundin Dean (Abschlussklasse und Yapentraschülerin) beim Laufen seinen Akzent nachmachte…und zwar nicht gerade überhörbar. Maruba (auch ein Schüler) dachte zunächst, er wäre Ausländer (immerhin steht er ja mit Marcus und mir in Verbindung) und bermerkte pikiert, dass sein Indonesisch ja fließender sei als meins, haha.

Alberki, auch ein Schüler hier, machte sich eine Freude daraus, dem Namen Ketut ein „n“ beizufügen (Kentut heißt Furz).

Doch Ketut trug es glücklicherweise mit Fassung und hatte viel Spaß mit den Kindern. Zum Abschied hat er einen Ulos (traditionelles Kleidungsstück der Batak, ähnlich wie ein Schal) bekommen und es wurde traditionelle Musik gespielt.

Nach einem Tag in Medan ist er dann wieder nach Hause geflogen.

Heute war ich mit Klasse 2 allein, weil die Lehrerin spontan zur Beerdigung ihrer Tante abberufen wurde. Obwohl die zwei Schüler sich schlecht konzentrieren konnten, hab ich mich (finde ich…) ganz gut geschlagen und versucht, mit ihnen Lesen und Schreiben zu üben.

Am Ende gings ne Runde spazieren um den Block und auf die Schaukel..ich bin nicht so streng 🙂

Nachmittags haben Dean und ich den Joggingrekord von 16 Runden ums Gelände geschafft (unser Ziel ist es, bis zu meiner Abreise 20 Runden zu schaffen). Danach hab ich trotzdem noch kurz mit Fußball gespielt und bin jetzt etwas platt, aber zufrieden mit meinem Tag.

 

Liebste Grüße,

Eure Sophie